Flamenco: Der Fuß spielt die Musik

In Spanien und Lateinamerika spricht man von „Zapateado“, wenn Füße beim Tanzen rhythmisch auf den Boden stampfen. Beim Gesamtkunstwerk „Flamenco“ kommen dafür Absatz, Schuhspitze und der komplette Fuß zum akustischen Einsatz. Der emotionale Tanz begeistert über die spanischen Landesgrenzen hinweg. Ein Tanzpartner ist nicht unbedingt nötig, der Tanzsport fördert auch „solo“ betrieben Körpergefühl und Selbstbewusstsein.

Beim Wort „Flamenco“ denken viele Menschen sofort an den feurigen Tanz. Besonders typisch für diesen sind das rhythmische Aufstampfen mit den Füßen sowie elegante, kraftvolle Armbewegungen. Jedoch gehören zur Flamenco-Kultur auch Gesang, Gitarrenspiel und Schlaginstrumente. Zur rhythmischen Unterstützung werden mitunter Kastagnetten eingesetzt. Auch das begleitende Klatschen und Fingerschnipsen sind wichtig. Im Gegensatz zu anderen Tänzen lebt Flamenco oftmals von der Improvisation. Es kommt nicht darauf an, bestimmte Choreografien zu erlernen. Vielmehr ergibt sich aus den verschiedenen Elementen wie Gesang, Gitarrenmusik und Tanz ein spontanes Zusammenspiel, ähnlich wie beim Jazz. In der Regel spielen Tänzerinnen beim Flamenco die Hauptrolle. Alle anderen Beteiligten, Musiker, Sänger und eventuell auch einzelne Tänzer, nehmen eine begleitende Rolle ein.

Flamenco als Lebenshaltung

Flamenco ist nicht liebreizend. Vielmehr vermitteln die Tänzerinnen und Tänzer Stärke, Willenskraft und Stolz. Zuschauer sehen in der Darbietung oftmals etwas Wildes und Ursprüngliches. Die begleitenden Gesänge erzählen von Trauer und Leid, aber oftmals auch von Alltagsereignissen und Freude.

Flamenco gilt als spanisches Kulturgut. Er entstand jedoch durch die Vermischung unterschiedlicher Kulturen. So besitzt er unter anderem arabische Wurzeln. Insbesondere ist er jedoch mit der Geschichte der im 15. Jahrhundert nach Spanien eingewanderten Roma und Sinti verwoben, von denen ein großer Teil in Andalusien lebte. Hier verband sich ihre Musik mit spanischer Volksmusik. Für lange Zeit wurden die Sinti und Roma diskriminiert und aus ihren traditionellen Berufsfeldern wie dem Schmiedehandwerk und dem Pferdehandel verdrängt. Im 19. Jahrhundert jedoch, im Zuge des Spanischen Unabhängigkeitskriegs, gewann ihre Kultur und damit auch der Flamenco als Ausdruck von Selbstbewusstsein und gelebter Individualität an Beliebtheit. Die Spanier sahen in der Musik und Mode der Minderheit eine Möglichkeit, sich gegen das verhasste Franzosentum abzugrenzen, und eigneten sich diese an. Heute ist der Flamenco ein fester Bestandteil des andalusischen Kulturguts.

Flamenco lernen

Wer normalerweise lieber im Hintergrund bleibt, der wird beim Flamenco herausgefordert. Der Tanz soll laut und ausdrucksstark sein, Schmerz und Freude vermitteln. Für einen Flamenco-Kurs braucht es zudem Geduld und Zeit. Denn der ungewöhnliche Rhythmus des Tanzes und die neue körperliche Ausdrucksweise erfordern Eingewöhnungszeit. Daher sind Schnupperkurse ein guter Anfang. Hartnäckige werden schlussendlich mit verbesserter Körperbeherrschung und einer bewussteren Wahrnehmung des Körpers belohnt. Jede größere Stadt bietet eine Auswahl an Flamenco-Tanzkursen und Menschen jeden Alters können den feurigen Tanz erlernen. Allerdings sollten keine Hüft- oder Knieprobleme vorliegen. Aber auch ohne Tanz kann Flamenco viel Freude bereiten: Wer sich für die musikalische Begleitung interessiert, kann auf Musikschulen das Flamenco-Gitarrenspiel erlernen.

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